Geschichten
Geschichten
Azoren
Orkangeräusche in den Ohren,
Angstschweiss dringt aus unseren Poren,
durch die Wände unserer Kammer,
dringt Wachhund Max'ens Wehgejammer.
Wir hören's klar in unsrem Bette:
Max heult mit Orkan um die Wette.
Wir liegen lange wach und grübeln,
draussen regnet's wie aus Kübeln,
in der Ferne Schiffsmotoren -
so kann's sein auf den Azoren.
Sonne, Blumen, milde Lüftchen,
aus vielen Küchen feine Düftchen,
Wachteln, Brassen, Lula's, Staeks,
alles gibts für Gourmet-Freaks.
Ob Luis, Biraca, Walter, Lima,
in Horta isst man wirklich prima.
Gut ist auch der Tinto-Wein
(nur den von Pico lasse sein).
Gemütlich ist's an manchem Ort,
in Porto Pim, im Café Sport,
für gute Drinks (mit Qual der Wahl),
bürgt Café International,
und wenn Touristen tief noch schlafen,
krampfen Fischer schon im Hafen,
sortieren Fische, putzen Kähne,
kreisen Möven um die Kräne,
noch immer tuckern Schiffsmotoren,
genau so ist's auf den Azoren.

GURU 1992
Meterhohe dunkle Wellen
Meterhohe dunkle Wellen,
vom Ufer hört man Hunde bellen,
der Wind pfeift streng ums luvward-Ohr,
im Innern krampft der Schiffsmotor,
segeln kann man heut vergessen,
auch gibts zur Zeit nur kaltes Essen,
Feuerzeug nicht zu gebrauchen
(nicht mal Stumpen kann man rauchen),
es giesst in Strömen, wie aus Kübeln,
niemand wird es uns verübeln,
dass wir beide, ohne motzen,
ob dem Seegang hier fast kotzen,

Am Horizont ein Berg mit Schnee
So ists auf dem Züri-See!
Sonne, Hitze, drückend schwül,
das Bier ist warm statt frisch und kühl,
unser Eis ist längst geschmolzen.
Die einzigen, die richtig bolzen,
sind die schnellen Motor-Flitzer
(hinterlassen Wellen, Spritzer).
Dauernd Flaute, kaum ein Lüftchen,
von andern Yachten Grillfleisch-Düftchen,
die Segel hängen schlaff vom Mast,
der Skipper schläft, bald auch der Gast,
still träumen sie von Wind und Regen,
das käme wirklich sehr gelegen.

Am Horizont ein Berg mit Schnee
So ists auf dem Züri-See!

GURU 1999
Tanneli-Felsen
Wir wollten da doch kürzlich mal
mit der GURU (ganz aus Stahl)
den Felsen, kurz vor Rapperswil,
passieren im Regatta-Stil.
Schon wollt' ich mich und Guni loben
als plötzlich kam der Fels nach oben
und donnerte im Neptun-Stil
gegen unsr'en Chromstahl-Kiel.
Unser Boot hat nur gelacht -
es hat ihm fast nichts ausgemacht.
Resultiert hat von dem Patzer
lediglich ein kleiner Kratzer.
Die Tiefe jedoch ist fürwahr,
dort nicht mehr, wie sie einmal war,
dort sah man früher Neptun's Nabel
heute nur noch seine Gabel.
Wir haben Euch - so war's gedacht -
dort ein bisschen Platz gemacht.
Ihr könnt nun mit Eurem Kahn
ab sofort dort viel näher ran.


Am Horizont ein Berg mit Schnee
So ists auf dem Züri-See!

GURU 2000
Motorboot-Club
Der MoBo-Club, der ist verblichen,
hat seine Flagge nun gestrichen.
Im Wallenseeli wird es still,
kein Düftchen mehr vom Clubhausgrill,
kein Pfeifenqualm, kein Stumpenrauch,
kein Ausflug mehr mit Hampi's Schlauch,
nie mehr Stories an der Bar
(ob gelogen oder wahr),
kein Turi mehr, der mit Talent
Motörchen flickt und alles kennt,
von der Schraube bis zum Anker
sei es ein Schlauch oder ein Tanker.
Kein Reto mehr, mit einem Bier,
s'wird wirklich still dort im Revier.
Traurig schluchzt ein Kormoränchen:
"Nie wieder wehen MoBo-Fähnchen.
Das Seeli ohne Clublokal
ist wie ein Wartsaal ohne Saal".
Ein Schwanenpaar kommt leis' geschwommen,
hat die Club-News auch vernommen.
Die Schwänin schwimmt direkt ins Schilfe,
der Schwan denkt sich, sie brauche Hilfe ...
Das Weibchen haucht kurz d'rauf zum Mann:
"Mein lieheber Schwan.. mein lieheber Schwan..."
Es ist schon so, es lässt sich eben,
bei dieser Ruhe besser leben....

Auch Bäri wird uns nicht vermissen,
denn jetzt hat er mehr Platz zum pissen.

GURU 2001
Weihnachten auf dem See
Draussen ist es kalt und grau.
Wir ankern vor der Ufenau
und feiern hier das Weihnachtsfest,
so quasi als Silvestertest.
Die Insel, sie lädt ein zum Träumen:
Kraniche sind auf den Bäumen,
vor dem Boot ein Bettel-Schwan,
im Tiefflug bolzt ein Kormoran
steuerbord vorbei am Schiff.
Sein Flug-Ziel ist das Felsenriff.
Er plant für seinen Weihnachtstisch
einen frischen Weihnachtsfisch.

Am Horizont ein Berg mit Schnee -
Weihnachten auf dem Zürisee!
Die Kälte nagt an uns'ren Knochen.
Trotzdem beginnen wir mit Kochen.
Auch auf uns'rem Weihnachtstisch
gibt es heute frischen Fisch.
Doch nicht so wie beim Kormoran,
welcher ihn im Sturzflug nahm
war es bei uns - bei uns wars geiler:
Wir erkämpften ihn beim Grossverteiler!
Nun essen wir (in Thermo-Hose)
den Lachs mit einer Bierschaum-Sauce,
dazu kühlen Weihnachts-Sekt
welcher heut' vorzüglich schmeckt.
Was trank wohl unser Kormoran,
als er sein Fischchen zu sich nahm?
Ich weiss es nicht, doch ich nehm' an,
eisgekühlten Festtags-Tran.

Am Horizont ein Berg mit Schnee -
Weihnachten auf dem Zürisee!

GURU 2002
der Schwarzfahrer
Der Saisonauftakt, ja der war
in jeder Hinsicht wunderbar.
Das Wasser warm, das Wetter schön,
mal blies die Bise, mal der Föhn.
Es stimmte dieses Jahr der Spruch:
Ein Start wie aus dem Bilderbuch.

An einem Abend, anfangs Juni,
sass ich im Cockpit da mit Guni.
Wir lagen mit dem GURU-Tanker,
in der Hörnlibucht vor Anker.
Blitze zuckten hell am Himmel,
von Rappi her klang Sturmgebimmel.
Beim Übergang vom Tag zur Nacht
näherte sich unserer Jacht
gut getarnt, grau in grau,
genau aus Richtung Ufenau
mit minimalstem Mostverbrauch
auf Schleichfahrt leis ein Gummischlauch.
Arg verkrümmt im Kautschukklipper
sass, nein lag der Schleichfahrt Skipper.
Mit viel Geschick legte er dann
den Schlauch im Lee an GURU an.
Dann erhob er sich und stand,
sich haltend mit der linken Hand,
korrekt grüssend, das ist klar,
aufrecht wie an einer Bar.
Dann sagt er cool: Hi, ihr beide!
Ich bin der C von Iron-Heide.
Ich fahr mit meiner Gummischüssel
heut ausnahmsweise ohne Schlüssel
.
Und weiter meinte er geziert:
Der Schlüssel wurde konfisziert.
Der Schlüssel, der liegt, Irons Dank,
in einem Iron-Panzerschrank.
Ein Kormoran flog grad vorbei,
er dachte sich da zweierlei:
Mit dem Schlüssel fier sichs ringer
als mit dem rechten Daumenfinger.

Und: Weshalb hat der Pirat,
keinen zweiten Key parat?

Während droben Petrus grollte,
während drüben Lady schmollte,
genossen wir hier an der Bar,
ein paar Drinks, sternenklar.

Was später über C dann kam,
das weiss vielleicht der Kormoran.
Am Horizont ein Berg mit Schnee,
wer hät am C sin Schlüssel gseh?

GURU 2003
Nichts mit segeln
März 04
Der Winter ging, der Frühling kam
als mir ein Sturz den Sommer nahm.
Mein linkes Bein war schlapp und schepps:
Entzwei waren die Quadriceps.
Die Folge war dann ganz normal:
Ein Aufenthalt im Kreisspital.
April
Mehr als 40 kleine Spritzen
stach ich mir ins Bein (im sitzen),
während 40 langen Tagen
musste man mich heben, tragen
(auch zum pissen und zum 'kegeln').
Da war's nur logisch: 'Nichts mit segeln!'
Mai
Im Wallenseeli meint ein Schwan
zu unserem Freund, dem Kormoran:
Ich glaub' es nicht, ich kann's kaum fassen,
immer ist das Boot verlassen.
Auch Neptun hat es sehr empfunden,
dass GURU ständig angebunden.
Juni und Juli
Zwar konnt' ich endlich wieder stehen
und halbwegs wieder langsam gehen,
kochen, humpeln, spielen, bücken,
alles ging – doch nur mit Krücken.
und Therapie – nach strengen Regeln.
Da war's nur logisch: 'Nichts mit Segeln!'
August
Das Ganze war ein Stimmungsfresser,
doch langsam wurde alles besser,
selbst downstairs in den Vino-Keller
ging's täglich besser, täglich schneller.
Und bald sah man die GURU-Flegel,
wohl auf dem See, doch ohne Segel.
September
Kaum war das Knie voll auskuriert
- die Segel klar, Motor geschmiert -
kam die nasse Wetter-Front,
und wochenlang hat's nicht geschont
(Petrus hat halt eig'ne Regeln).
Da war's nur logisch: 'Nichts mit Segeln!'
Oktober
Die Segelsaison ist vorbei,
geblieben ist mir Zweierlei:
Erstens kann man – mit zwei Krücken,
ein ganzes Jahr leicht überbrücken,
und zweitens – so ist's halt im Leben,
hätt's ohne Sturz kein Dicht gegeben.

GURU 2004
Rippli und Milchreis
Nach letzten Flocken von Frau Holle
fuhr ich nach Bäch, zwecks Schiffskontrolle.
Kaum stand ich auf der GURU oben,
lag ich schon rücklings auf dem Boden,
ein Sturz - gekonnt und veritabel,
lähmte mich von Kopf bis Nabel,
Schwach entsprang aus meinen Lippchen:
"Das wärs gewesen mit den Rippchen".
Und wegen GURU's Kanten, Ecken,
gab's beim Sturzflug blaue Flecken
(doch smartie-bunte Skipper-Rücken,
sollen - sagt man - auch entzücken).

K.O. und mit leerem Magen,
fuhr mich dann der Notfallwagen,
mit Blaulicht und mit 100 Sachen,
als Notfall ins Spital nach Lachen.
Die Notfallärztin fand's nicht glatt:
Gebrochen sei das Schulterblatt,
und weiter: von den Rippenknochen
seien 6 auch noch gebrochen.
3 Tage später sah ich dann,
Milchreis auf dem Menu-Plan.
Ich spürte Angst und Schweiss im Nacken,
und begann sogleich zu packen.
Einstimmig meint das Ärztegrüppli,
"das geht doch nicht, mit ihren Rippli".

Doch nichts wie weg dort, weg nach Haus
zum Rotwein-, Kraut- und Ripplischmaus.
Und die Moral von der Geschicht':
Milchreis passt zu Rippli nicht.

GURU 2005
Pensioniert
In meinem letzten Arbeitsjährchen
mit mittlerweile grauen Häärchen,
hat mich eine neue Jacht
unvermittelt angelacht,
ich hab’ sie dann spontan gekauft
und auf GURU (zwei) getauft.

Der Kormoran hat’s auch vernommen.
Der ist dann kurz vorbeigekommen,
hat mir beim ersten Flaggen-Hissen
zum Gruss kurz auf das Deck gesch…
Augenzwinkernd flog er weiter –
ich grüsste auch und hisste weiter.
Und, als wäre nichts geschehen,
liess ich das Schiffchen windwärts drehen,
und segelte – ihr wisst es schon,
gemütlich Richtung Pension.

Am Horizont ein Berg mit Schnee
06 auf dem Zürisee

GURU 2006